Marketing, das ich nicht mag

Häufig preisen Experten ihre Social-Media-Tipps & Tricks mit einem hohen Druck einem möglicherweise unwissenden Kunden an. Die Wörter „du sollst | du musst“ finden sich vermehrt in Texten. Wie fühlt sich jedoch ein Leser dabei?

„Um mehr Kunden zu gewinnen musst du mindestens wöchentlich einen Blogbeitrag schreiben und alle zwei Wochen deinen Newsletter-Empfängern diesen Blogbeitrag noch einmal zusenden.“

So oder ähnlich lauten „Empfehlungen“. Spricht man da wirklich seine Zielgruppe an? Vermutlich ist man sich darüber nicht bewusst, wie man seine Wunschkunden wirklich anspricht. Mag sein, dass der eine oder andere sich dadurch von der Maße abhebt oder an seinen Mitbewerbern mit großen Schritten vorbeischreitet. Interesse und eine langfristige Bindung erzielt man in meinen Augen auf andere Weise. Denn wenn ich mich in die Situation des Lesers hineinversetze, kann man mit solchen Aussagen Ängste schüren und baut unnötig Hürden auf. Nicht jeder hält es langfristig durch, kontinuierlich regelmäßig zu bloggen.

Ohne Datenübermittlung keine kostenfreien Inhalte

Langsam wird man müde zu lesen, „melde dich hier jetzt an und erhalte 7 Tipps für ein gesünderes Leben“. Hallo? Welche Weisheit möchte man im Tausch von meinen Daten mir vermitteln, die ein gesünderes Leben versprechen?

Marketing, das ich nicht mag
Facebook Werbeanzeige Screenshot vom 04.06.2017

Oder ein schärferer Ton, der einen eindringlich vor Lebensmitteln warnt, wie in folgender Facebook-Werbeanzeige.

Ich appelliere ein kleinwenig lauter an dieser Stelle an den gesunden Menschenverstand. Ein Leser ist ein Mensch mit einem eigenen Wissensschatz und kein Dummkopf, verzeih mir bitte diesen Ausdruck. Aber bei vielen Beiträgen fühlt man sich manchmal schon so, als wäre man völlig unwissend. Und würde dann nur alleine von diesen 7 Tipps gesünder sein. Toll!

Gesammelte Daten schön brav an Dritte und die Pharmaindustrie weiterzuverkaufen ist verboten. Leider handhaben manche ihr Versprechen („wir gehen sorgsam mit deinen Daten um und geben diese nicht an Dritte weiter“) dann plötzlich doch auf andere Weise, wenn Geschäfte gewittert werden. Die sogenannten Win-Win-Situationen werden genutzt, obwohl der Kunde nicht darüber informiert wurde.

Ein Kunde findet aber kurz nach seinem Seminarbesuch sich vor einem Newsletter wieder, dem er nicht aktiv zugestimmt hat, aber weiß, „ah, ich war da neulich zwar im Seminar, aber kann mich nicht daran erinnern, mich irgendwo in eine Liste eingetragen zu haben(?)“. Solche Situationen sind leider kein Einzelfall. Erst im letzten Beitrag schrieb ich zur „Jagd nach E-Mail-Adressen„.

Nervende Popups lösen bei mir nur eine Reaktion aus: Wegklicken der Website

Da möchte man sich entspannt über ein Thema interessieren und wartet, bis die Seite sich aufbaut, schon kommt „er“: „Halt, bleib hier und folge mir über meinen Newsletter“! Ohne zu wissen, ob ich wirklich am Inhalt dauerhaft Interesse habe, zwingt man mir einen ersten nervenden Popup auf die Nase. Und ohne etwas zu Geben, einen Mehrwert zu bieten oder einen Leser neugierig auf mehr zu machen. Nein, ich hab in solchen Fällen keine Lust mehr. Klick und weg.

Menschen mit feineren Sinnen, und dazu zählen Menschen mit Hochsensitivität und Hochsensibilität, schätzen unspektakuläre, keine aufblinkenden Störer auf Websites. Noch weniger laut und schnellsprechende Menschen in Produktvorstellungen auf YouTube.

Feinfühlige und hochsensible Menschen haben dafür besondere Antennen. Sie nehmen über die Sinne vielmehr auf. Ein Hochsensibler kommt dabei alleine oftmals an eine Grenze und wünscht sich sehnsüchtig seinen Rückzug. Dabei in Ruhe auf Webseiten surfen zu können.

Meine Empfehlung ist daher, weniger ist mehr.

Dezente Farben, gerne frisch, aber keine plötzlich startende Musik oder verschiedene Popup-Aufrufe auf eine Website einbauen. Wenn auch nur am oberen rechten Rand man ständig durch kleine Bewegungen animiert wird dort anzuklicken, ist es einem Introvertierten einfach zu viel. Introvertierte sind keine Seltenheit. Mir ist dies bei der Erstellung einer Website ein wichtiger Aspekt.

Entspannter Umgang mit Social Media Marketing

Klare Strukturen, ehrliche und authentische Texte sind gewinnbringender und lassen zufriedenere Leser in Ruhe auf der Website stöbern. Ohne Aufruf zur Newsletter-Anmeldung darf ruhig mein Text an dieser Stelle enden. Glaub mir, wenn dein Leser deine Texte und deine Inhalte mag, dann nützt er von sich aus das Anmelde-Formular zum Newsletter selbst. Diese Menschen können sehr treue Kunden werden. Und genau das wünsche ich dir: Ohne Druck und entspannt Umsätze machen.

Wie denkst du darüber?

PS: Glücklicherweise habe ich Kunden, die die oben genannten Praktiken nicht einsetzen. Könnte eigentlich auch kein Kunde dann von mir sein :-)

(Titelbild: L0nd0ner/Pixabay)

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Kerstin Paar

Als Online-Marketing-Beraterin unterstützt Kerstin Paar Solo-Unternehmerinnen und Selbständige in ihren Marketingtätigkeit und im Netz mit eigener Website sichtbar zu sein. Über Einzelcoachings oder E-Mail-Services zeigt sie auf leicht verständliche, kompetente und sympathische Art die Vorzüge der Sozialen Medien und den wirkungsvollen Einsatz einer eigenen Website auf. Eine performante Website ist das Herzstück im Marketing. Ein Herzensprojekt der Online-Marketing-Fachfrau mit Reiselust ist das Bloggen auf ihrem Reiseblog "Sonnenfernweh". Als Reisebloggerin schreibt sie Reiseberichte, inspiriert von ihren Unternehmungen mit dem E-Bike und für Tourismusregionen. Im Mai 2018 war sie damit quer durch Deutschland unterwegs. Seit 2011 ist Kerstin Paar in sozialen Netzwerken als Beraterin tätig. Mit anschließender Zertifizierung zur Online-Marketing-Managerin unterstützte sie Unternehmen der Energiewirtschaft, Coaches, Autoren und Selbständige. Mit Lust und Freude an ihrer Arbeit schätzt sie die Einzelberatungen und den Teamgeist in Kleingruppen.